(Auszug aus Bildband BHUTAN (3.Aufl.), Harald N. Nestroy, Verl. Edition Panorama)

Priorität der ersten Könige Bhutans war, die Einheit des Landes zu sichern, eine starke zentrale Amtsgewalt zu errichten. Mit der Thronbesteigung von S.M. Jigme Dorji Wangchuck als 3.“Drachenkönig“ oder Druk Gyalpo im März 1952 begann eine neue Ära in der Geschichte Bhutans.

Ausweitung staatlicher Verwaltungsstrukturen und Modernisierung der Gesellschaft selbst hatten Vorrang. Der 3. König schaffte die Leibeigenschaft ab, leitete 1965 die Bodenreform ein. 1968 rief er den Ministerrat ins Leben, danach einen Obersten Gerichtshof. Bestehende Gesetze wurden kodifiziert. Eine Nationalversammlung, die Tshogdu, als Vorläufer eines Parlamentes mit rudimentären legislativen Funktionen, wurde geschaffen. Bis Anfang 2008 zählte sie 154 Mitglieder: 38 hochrangige Verwaltungsbeamte (darunter die 10 Minister), 10 Repräsentanten der Mönchsgemeinschaft, 6 Mitglieder des Königlichen Rates und 100 Volksvertreter, die von den Dorfvorstehern und anderen lokalen Würdenträgern ernannt wurden.

Nach westlichem Verständnis war die Tshogdu noch kein demokratisches Parlament; ihre Mitglieder gingen nicht aus allgemein, freien Wahlen hervor. Auch gab es keine politischen Parteien. Dennoch war die Tshogdu in ihren letzten Jahren eine recht starke Institution geworden. So wurde ihr 1998 auf Betreiben des 4. Königs, S.M. Jigme Singye Wangchuck, auf dem Thron seit 1972, das Recht übertragen, die Minister zu ernennen. Zum Entsetzen vieler Bhutaner setzte der überaus beliebte 4. Druk Gyalpo durch, dass die Tshogdu von nun an die Könige zur Abdankung zwingen konnte. Gleichzeitig verzichtete der König auf seine de facto Rolle als Regierungschef; der Ministerrat wurde gestärkt, das Amt des Premierministers eingeführt, jedes zweite Jahr wählte die Tshogdu nach Rotationsprinzip aus den Reihen der Minister einen neuen Premier. Der 4. Druk Gyalpo hatte mit diesen Schritten seinen zuvor allmächtigen Status auf die Rolle eines Staatsoberhaupts ähnlich der englischen Königin reduziert.

Doch das größere Ziel des 4. Königs war die Überführung Bhutans in die parlamentarische Demokratie im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie. Auf seine Initiative hin wurde seit 2003 an einer modernen Verfassung gearbeitet. König und Kronprinz reisten seit Fertigstellung des Entwurfs 2 März 2005 unermüdlich kreuz und quer durchs Land, bis in die entlegensten Dörfer: sie klärten das Volk über die kommende Verfassung auf, um es auf die Demokratie, auf die ersten allgemeinen Wahlen vorzubereiten. Die Verfassung wurde im Juni 2008 vom neuen Parlament einstimmig verabschiedet.

Die ersten Parlamentswahlen am 24. März 2008 erfreuten sich einer Rekord-Beteiligung von fast 80%. Die „Harmonie-Partei Bhutans“ (Druk Phuensum Tshogpa - DPT) errang 45 von 47 Parlamentssitzen. Die Oppositionspartei „Demokratische Volkspartei“ (Democratic People’s Party – DPD) konnte aufgrund des reinen Mehrheitswahlsystem trotz 33% der Wählerstimmen nur zwei Abgeordnete in das neue Parlament entsenden. Die neue Regierung trat ihr Amt am 9. April 2008 an. Der erste demokratisch gewählte Premier Minister Bhutans, Jigmi Y. Thinley, hat sich die Integration der südbhutanischen Bürger nepalischer Abstammung als eines der hochrangigen Ziele gesetzt. Zwei seiner 10 Minister sowie der Vize-Präsident des Parlaments gehören dieser Volksgruppe an.

Der 4. Druk Gyalpo hatte bereits 2005 seine Entscheidung kund getan, vor dem historischen Wandel zur konstitutionellen Monarchie zurückzutreten. Doch verblüffte er sein Volk, als er schon am 14. Dezember 2006 das königliche Amt seinem Sohn, S.M. Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, übertrug. Dessen feierliche Krönung folgte 2008, dem Jubiläumsjahr „100 Jahre Wangchuck Monarchie“. Sie bestand aus zwei Teilen: der spirituell-religiösen und der formalen, eher staatsrechtlich zu nennenden Krönung.

Die Astrologen, hochrangige Lamas, hatten nach langer Forschung den 1. und den 6. November 2008, im bhutanischen Kalender der 8. und der 13. Tag des 9. Monats des Erd-Ratten-Jahres, als die größtes Glück verheißenden Tage für die beiden Zeremonien errechnet.

Diese für das Land überaus bedeutsame Krönung wurde in traditioneller Pracht bhutanischer Kultur durchgeführt; die erstere fand im Dzong von Punakha statt, die zweite im Dzong der Hauptstadt Thimphu, dort gefolgt von hinreißend farbenfrohen Veranstaltungen im mit 45.000 Bhutanern weit überfüllten Nationalstadium. Die Begeisterung, Freude, Ergriffenheit, mit der abertausende Bhutaner die Krönungsfeierlichkeiten begleiteten, machten deutlich, dass S.M. Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, der 28 Jahre junge 5. Druk Gyalpo, in der Mitte und in den Herzen seines Volkes „angekommen“ ist. Seine Hochzeit mit seiner bezaubernden Braut, jetzt Ihre Majestät Königin Jetsun Pema am 13. Oktober 2011, brachte ihn den Herzen der Bhutaner noch näher.

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